Raffael Meyer

Gitarre/Gesang

Raffael hat sich, kaum der Mutterbrust entwöhnt, einen Namen als engelsgelockter Maestro der Block- und Traversflöte – einem hölzernen Vorgänger der Querflöte – gemacht. Internationale Gremien haben ob seiner andächtigen Keuschheit und sakralen Blastechnik feuchte Augen bekommen und ihm eine grosse Zukunft in den erlauchten Gefilden der Kirchenmusik prophezeit. Und auch Raffael trug den frommen Wunsch im Herzen, sein irdisches Dasein ausschliesslich dem Lobpreis und der unbefleckten Interpretation geistlicher Werke zu widmen. Mit der Standhaftigkeit eines herzhaften „Amen“ zur Conclusio der Liturgie wäre Raffael auch diesen Weg gegangen, wäre da nicht ein Skilager in der verflixten vierten Primarschule dazwischengekommen. Anlässlich des „bunten Abends“ stülpte ihm ein garstiger Rüpel aus seiner Klasse einen Walkman – dieses Teufelswerkzeug! – über und beschallte Raffaels in Unschuld gewandete Ohren mit AC/DC. Dieses Ereignis sollte die moderne Musikhistorie in andere Bahnen lenken. Raffael entdeckte den Rock & Roll, schmiss seine Sandalen Jesu in die Ecke und entledigte sich seines blütenweissen Gewandes, um hinfort in schwarzer Lederkluft die Kinder aus der Nachbarschaft zu erschrecken. Sein Niedergang in den moralischen Morast populärer Musik war rasch und unerbittlich: er ergriff die Gitarre und peitschte am Out in the Green Festival – diesem Hexensabbat epikureischen Exzesses – mit seiner ersten Rockband eine Masse unzivilisierter Halbstarker zur Ekstase. Und es kam wie es kommen musste: Raffael absolvierte ein Musikstudium und hielt seine gitarristischen Dienste in dunklen Gassen und zwielichtigen Spelunken feil. Üble Gesellen wie Handsome Hank & his Band, Elias Bernet und Alex Good engagierten unseren tragischen Helden und trieben seine spirituelle Vermaledeiung voran. Am Tiefpunkt seines irdischen Daseins, aller Hoffnung beraubt und dem Untergang geweiht jedoch trat plötzlich Lorenzo – von Licht geflutet und Geigenklängen umrahmt – in Raffaels Leben. Lorenzo (Martin war leider nicht abkömmlich, er hatte eine Suppe auf dem Herd) zeigte ihm den Weg, den einzigen, den wahren: Discover 3. Der Rest ist eine Geschichte.

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